Die herausfordernde Partnersuche der Feldhamster

Im Zoo Osnabrück werden vom Aussterben bedrohte Feldhamster für die Auswilderung gezüchtet. Die Verpaarung der kleinen Nager ist allerdings selbst für die Experten im Zoo Osnabrück eine Herausforderung, denn so harmlos wie sie aussehen, sind die flauschigen Einzelgänger nicht. Besucher können die Feldhamster auch an Pfingsten im „Unterirdischen Zoo“ entdecken.

„Wenn ein Feldhamstermännchen in der Natur ein Weibchen für die Verpaarung sucht, ist das nicht immer ungefährlich“, erklärt Andreas Wulftange, Zoologische Leitung im Zoo Osnabrück. „Denn wenn die Weibchen keinen Besuch möchten, vertreiben sie ungebetene Gäste äußerst rabiat aus ihrem Nest.“ Der Biologe ist vor Ort im Zoo Osnabrück verantwortlich für ein Auswilderungsprojekt, das Feldhamster wieder in Deutschland ansiedeln möchte. „Wir kooperieren dafür mit dem Opel-Zoo in Kronberg, bei dem das Projekt angesiedelt ist“, erklärt Wulftange. Vergangenes Jahr kamen die ersten jungen Feldhamster zur Aufzucht in den Zoo Osnabrück. „Jetzt ist für uns die erste Paarungssaison, die in etwa von April bis Juli geht“, so Wulftange. Jeder Feldhamster hat ein eigenes Gehege, denn paarweise leben sie nicht gerne zusammen. Auch wenn Besucher einige der kleinen Nager im „Unterirdischen Zoo“ entdecken können, so liegt der Bereich zur Fortpflanzung und Auswilderung hinter den Kulissen, damit sich die Tiere nicht zu sehr an die Menschen gewöhnen.

 

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

Die abgetrennte Lage hat auch für die Verantwortlichen Vorteile, denn so können sie das Verhalten der Tiere zur Paarungszeit ungestört beobachten. „Wir müssen genau erkennen, dass sich zwei Tiere verstehen, bevor wir sie zusammenlassen“, sagt Oliver Schüler, Tierpfleger und Revierleiter des „Unterirdischen Zoos“. „Wenn wir zwei Feldhamster einfach zusammensetzten, bestünde die Gefahr, dass sie sich angreifen und im schlimmsten Fall sogar töten.“ Um dem vorzubeugen, muss Schüler ganz genau beobachten, wie sich die Nager verhalten. „Wir haben extra eine zusammenhängende Anlage gebaut, in der sich die Feldhamster an einem sogenannten Schmusegitter kennenlernen. Hier können sie sich sehen und riechen, ohne dass es zum Konflikt kommen kann. Wenn sie gegenseitiges Interesse zeigen, lassen wir sie zusammen“, so Schüler. Interesse zeigen Feldhamster vor allem, indem sie sich interessiert beschnuppern und mit einem Genitalsekret einreiben. „Das ist eine Art Hamsterparfüm, mit dem sie ihre Paarungsbereitschaft signalisieren“, erklärt Schüler. Läuft die Zusammenführung gut, verbringen die Feldhamster in der Regel einen Tag und eine Nacht miteinander. „Nach der Paarung ist es mit der Zweisamkeit dann aber auch schnell wieder vorbei und die Konfliktgefahr steigt erneut“, erklärt Schüler. „Wir trennen sie deshalb wieder, denn auch in der Natur gehen die Tiere nach der Paarung schnell getrennte Wege.“ Nun heißt es: abwarten. Ob die Verpaarung geklappt hat, werden die Zoomitarbeiter nach Pfingsten erfahren, denn schon dann würden Jungtiere zur Welt kommen.

 

Vom Aussterben bedroht

Insgesamt leben im Zoo Osnabrück aktuell noch ein männlicher und drei weibliche Feldhamster, denn drei männliche und fünf weibliche Feldhamster sind letztes Wochenende zur Auswilderung nach Hessen gebracht worden. „Bis zu drei Tiere halten wir auch im ‚Unterirdischen Zoo‘, wo sie von unseren Besuchern entdeckt werden können. So vermitteln wir neben dem Artenschutz auch Wissen zu den Tieren, damit sie von den Menschen in der Natur erkannt und geschützt werden“, ergänzt Wulftange. Bei erfolgreicher Paarung bringt ein Weibchen nach einer Tragzeit von 20 Tagen vier bis sechs Jungtiere auf die Welt. Zum nächsten Frühjahr sollen dann erneut Feldhamster aus Osnabrück nach Hessen gebracht werden, wo sie von der Hessischen Naturschutzbehörde in ausgewiesenen Gebieten ausgewildert werden. Noch in den 1980er Jahren galten Feldhamster in Teilen Deutschlands als Plage und es wurden Prämien auf ihre Felle ausgesetzt. Heute sind sie laut Weltnaturschutzorganisation IUCN vom Aussterben bedroht und Auswilderungsprojekte zum Erhalt der seltenen Nager dringend notwendig. Wer die Feldhamster im Zoo Osnabrück besuchen möchte, entdeckt sie dort im „Unterirdischen Zoo“. Auch an Pfingsten hat der Zoo an allen Tagen wie üblich von 9 Uhr bis 18:30 Uhr geöffnet (letzter Einlass 17:30 Uhr).

 

Wissenswertes über Feldhamster (Cricetus cricetus)

Mit seinem bunten Fell ist der Feldhamster einzigartig unter den einheimischen Nagetieren. Feldhamster wachsen ihr Leben lang, werden bis zu 500 Gramm schwer und etwa vier Jahre alt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Sibirien bis an den Rhein. In Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Österreich gibt es jedoch nur noch wenige isolierte Vorkommen. Weil Feldhamster große Vorräte für den Winterschlaf anlegen, wurden sie in Mitteleuropa intensiv verfolgt. Mittlerweile gelten Feldhamster laut Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht. Feldhamster sind Einzelgänger, die sich nur zur Paarung zusammentun. Ein- bis zweimal im Jahr bringen Weibchen nach einer Tragzeit von 20 Tagen vier bis sechs Junge zur Welt. Sie leben in selbstgebauten Erdhöhlen, ihre Nahrung suchen sie während der Nacht und in der Dämmerung oberirdisch.

 

Zum Bild:

Die zwei Feldhamster im Zoo Osnabrück verstehen sich. So harmonisch geht es zwischen den Tieren aber nicht immer zu. Feldhamster sind Einzelgänger, treffen sich nur zur Paarung und gehen sich ansonsten aus dem Weg. Im Zoo Osnabrück werden die vom Aussterben bedrohten Tiere für die Auswilderung in Hessen gezüchtet und können im „Unterirdischen Zoo“ auch an Pfingsten von Besuchern entdeckt werden.

Fotoquelle: Zoo Osnabrück (Jan Banze)